der Vereinigung Süddeutsche Orthopädie und Unfallchirurgie e.V.
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Am 17. April 2026 fand der Tag der Technischen Orthopädie (TTO) im Rahmen des Kongresses der Vereinigung Süddeutsche Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. (VSOU) in Baden Baden statt. Digitale Technologien, datenbasierte Versorgung und interdisziplinärer Austausch standen im Mittelpunkt der Veranstaltung. Die Beiträge verdeutlichten: Innovative Ansätze – von Sportversorgung bis Künstlicher Intelligenz – bieten konkrete Mehrwerte für die Versorgungspraxis und treiben die Weiterentwicklung der Technischen Orthopädie voran. Veranstaltet vom Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik (BIV-OT) in Kooperation mit der Vereinigung Technische Orthopädie (VTO) und der Fortbildungsinitiative ’93, brachte der TTO erneut Experten aus Medizin, Technik und Therapie zusammen.
„Der TTO hat sich seit seiner ersten Veranstaltung zu einer festen Größe im Rahmen des VSOU-Kongresses etabliert“, erklärte Prof. Dr. Frank Braatz, Vorsitzender der Vereinigung Technische Orthopädie (VTO). „Die lebhaften Diskussionen in den Veranstaltungsräumen haben gezeigt: Wir sind mit unseren Themen nah an der Praxis und bieten allen Beteiligten in der Technischen Orthopädie konkrete Mehrwerte für ihren Berufsalltag.“
Sportversorgung im Fokus: Anforderungen im Para-Ski
Den Auftakt beim Tag der Technischen Orthopädie machte die Fellowssitzung der Initiative ’93 zum Thema „Winterparalympics und Sportversorgung“. Unter der Leitung von Dr. Hartmut Stinus (Bovenden) und Maike Truelsen (Hamburg) machten die Beiträge sichtbar, wie hoch die Anforderungen an die Versorgung im paralympischen Leistungssport sind und wie eng technische, medizinische und trainingswissenschaftliche Aspekte ineinandergreifen.
Am Beispiel des Para-Ski Alpin gaben die Beiträge Einblicke in den Leistungssport aus unterschiedlichen Perspektiven. Christoph Glötzner (Neumarkt) schilderte die Anforderungen aus Sicht eines Athleten mit Oberschenkelamputation und beschrieb, welche Rolle individuell angepasste Versorgungen im Zusammenspiel mit Training, Saisonvorbereitung sowie dem Umgang mit Belastung und Regeneration spielen. Ergänzt wurde dies durch medizinische Einordnungen von Dr. Maren Goll (München) zum Skifahren mit Querschnittlähmung im Monoski sowie durch die Trainingsperspektive von Justus Wolf (Frechen). Dr. Stinus berichtete darüber hinaus von den Paralympics in Mailand und Cortina und unterstrich die Rolle der technischen Orthopädie als entscheidenden Faktor im Leistungssport.
Datenbasierte Versorgung: Struktur und Digitalisierung bei Diabetes
Im Fokus der Sitzung „Von Daten zu Bewegung – Hilfsmittel bei Diabetes“ veranstaltet vom BIV-OT und der VTO stand die Frage, wie digitale und datenbasierte Anwendungen die Versorgungsqualität verbessern können. Unter der Leitung von Dr. Thomas Werner (Erfurt) und BIV-OT-Vorstandsmitglied Matthias Bauche (Dortmund) wurde deutlich, dass strukturierte Prozesse und valide Daten eine zentrale Grundlage für eine qualitativ hochwertige Versorgung darstellen.
Die Beiträge beleuchteten das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln: Dr. Thomas Werner stellte den Nutzen eines kontinuierlichen Glukosemonitorings mit CGM-Sensoren im klinischen Alltag heraus. Tino Sprekelmeyer (Osnabrück) stellte anhand eines Praxisbeispiels dar, wie ein strukturierter Versorgungsprozess in der Versorgung des diabetischen Fußsyndroms umgesetzt werden kann – von der Definition des Versorgungsziels über die Befunderhebung bis hin zur messtechnisch gestützten Überprüfung und Anpassung des Hilfsmittels. Dabei veranschaulichte er, dass standardisierte und nachvollziehbare Abläufe eine wesentliche Voraussetzung für eine qualitätsgesicherte Versorgung sind.
Ergänzend stellte Marina Walther (Heidelberg) ein KI-gestütztes Chatbotprojekt vor, das sich sowohl an Betroffene als auch an Fachkräfte richtet. Ziel des Projekts es, evidenzbasiertes Wissen aus Leitlinien und Praxisempfehlungen niedrigschwellig zugänglich zu machen und so Entscheidungsprozesse im Alltag zu unterstützen sowie die Versorgung zu erleichtern.
KI und digitale Fertigung: Neue Wege in der Hilfsmittelversorgung
Die abschließende Sitzung veranstaltet vom BIV-OT und der VTO in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für interprofessionelle Hilfsmittelversorgung e. V. (DGIHV) unter dem Titel „KI und Hilfsmittel in der digitalen Welt“ widmete sich der Frage, wie digitale Technologien die Hilfsmittelversorgung weiterentwickeln. Unter der Leitung von Prof. Frank Braatz (Göttingen) und BIV-OT-Präsident Alf Reuter (Dortmund) standen insbesondere digitale Prozessunterstützung und Fertigungstechnologien im Fokus.
Die Beiträge gaben Einblicke in unterschiedliche Anwendungsfelder: Prof. Dr. Malte Bellmann (Duderstadt) stellte aktuelle Entwicklungen in der Versorgung der unteren Extremität vor und machte deutlich, dass Digitalisierung, die derzeit insbesondere im Kontext von KI diskutiert wird, in der technischen Orthopädie schon seit vielen Jahren etabliert ist. Tino Sprekelmeyer beleuchtete in seinem Vortrag „Vom 3D-Scan zur additiven Fertigung – Praxisbeispiel aus der Fußversorgung“, welche Möglichkeiten digitale Fertigungsprozesse bieten und welche Anforderungen dabei an Standardisierung und strukturierte Abläufe gestellt werden, um eine gleichbleibend hohe Versorgungsqualität sicherzustellen.
Ergänzend stellte Matthias Hörr (Lüneburg) Möglichkeiten robotischer Unterstützung in der Ergotherapie vor.
„Das Motto des diesjährigen VSOU-Kongresses ‚Zeitenwende – Aufbruch in die Zukunft‘ wurde beim TTO aus Sicht der Hilfsmittelversorgung eindrucksvoll unterstrichen“, resümierte Alf Reuter. „Die vorgestellten technologischen Entwicklungen haben dargestellt, wie die Versorgung mit Hilfsmitteln künftig effizienter, strukturierter und zukunftsfest gestaltet werden kann.“
Der interdisziplinäre Austausch wird beim Tag der Technischen Orthopädie im Rahmen des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) im Oktober 2026 in Berlin fortgesetzt.